Weißer Maulbeerbaum - Morus alba als Baum und Forstpflanze im Klimawandel

 

Herkunft und Allgemeines

Insgesamt existieren drei Maulbeerbaumarten. Es handelt sich dabei um die weiße Maulbeere aus China, die schwarze Maulbeere aus dem nahen Osten und die rote Maulbeere aus Nordamerika.

Die weiße Maulbeere wird bereits seit über 3000 Jahren kultiviert. Sie wird vor allem zur Seidenraupenzucht genutzt. Darüber hinaus ist ihr Holz von unschätzbarem Wert. Die Früchte werden frisch gegessen, zu Saft, Sirup, Marmelade und weiteren Genüssen verarbeitet. Die Rinde und Blätter dienen zu medizinischen Zwecken. Diese Nutzungsmöglichkeiten werden in einem späteren Kapitel aber nochmals genauer analysiert.

Adolf Hitler lies diese Bäume in verstärktem Maße anpflanzen, hier produzierte er die Seide für seine Fallschirme im Krieg. Auch zuvor wurde sie während im Preußenreich vermehrt wegen der Seidenraupenzucht angepflanzt. Allerdings machte die weit günstigere Seidenware aus Asien die Bäume mit der Zeit überflüssig.

Rinde und Blätter werden zermahlen in der chinesischen Medizin verwendet, sie sollen harntreibend, schleimlösend, blutdrucksenkend, nervenberuhigend, blutzuckersenkend und cholesterinsenkend sein.

In Anatolien ist dieser Sirup ein bewährtes Hausmittel für Erkältungsbeschwerden, ähnlich wie der Holunder in Mitteleuropa.






Blick in die Krone eines besonders schönen Exemplars. So sehen Maulbeerbäume aus, die nicht jedes Jahr kurz geschnitten werden. Sie entwickeln eine weitläufige und rundliche Krone mit knorrigen Ästen.

Urheber:

Fotograf: Frank Gyssling
http://www.monumentaltrees.com/de/fotos/20304/
Standort: Weberplatz, Potsdam


Botanik und Nutzen

Morus alba wächst als kurzstämmiger Kleinbaum und erreicht eine Höhe von ca. 10 Metern in Mitteleuropa. In Südeuropa oder China werden bis zu 25 Meter Höhe erreicht. Der Brusthöhendurchmesser kann bis zu 60 cm betragen. In Südeuropa oder China hingegen bis zu 140 cm.

Die knorrigen Stämme und Äste werden von einer orange-braunen und glatten Rinde ummantelt. Diese Rinde ist sehr weich und faserig. In Asien wird die Rinde geschält und entfasert. Die Fasern werden zum berühmten Japanpapier verarbeitet. Dieses Japanpapier wird auch Kozu genannt. Die Herstellung erfolgt durch eine Handschöpfung, was sehr aufwendig und teuer ist.

In freiem Stand entwickelt sich eine kugelrunde und zugleich knorrige Krone. In engem Stand allerdings entwickeln sich eher schmale Kronen mit etwas längeren Stämmen. Da der Maulbeerbaum in den Wäldern nicht eingesetzt wird, ist es eher ein Gehölz für Obstgärten wo eine rundliche und eher niedrige Krone von Vorteil ist.

Eine absolute Besonderheit an diesen  Bäumen sind die Blätter. Sie bilden nämlich verschiedenförmige Blätter an einem Baum aus. Es gibt sowohl gelappte als auch ungelappte Blätter. Zudem sind die meisten Blätter herzförmig während andere Blätter am gleichen Baum eiförmig sind. Was alle Blätter gemeinsam haben ist der gesägte Rand. Im Herbst entwickelt sich dann eine goldgelbe Herbstfärbung.

Die Blätter sind weich und hellgrün mit einer flaumartigen Behaarung. Leider sehen diese Blätter nicht nur wunderschön aus, sie sind auch für allerlei Raupen ein Festmahl. Deshalb wird die weiße Maulbeere besonders gerne für die Seidenraupenzucht eingesetzt. Wer jetzt Angst hat, die Seidenraupen würden sich rapide vermehren und zur Plage werden der sei beruhigt. Seidenraupen müssen gezielt ausgebracht werden, sonst erscheinen diese nicht. 

Im März bis Juni entwickeln sich unscheinbare und ährenartige Blütenstände in zartem Grün. Sie sind sehr unauffällig und werden meist übersehen. Von weitem sieht die Pflanze während der Vollblüte aus wie sonst auch.

Allerdings entwickeln sich die ersten Früchte aus dem Blütenflor recht schnell. Sie sind bereits ab Juli reif und von brombeerähnlichem Aussehen. Erst sind die Früchte reinweiß, färben sich mit zunehmender Reife aber Gelb bis Dunkelrot.

Alle Morus-Arten sind selbstbefruchtend und benötigen somit keinen Befruchtungspartner. Bereits ein Baum versorgt sie mit vielen Früchten für Ihre Küche!

Die Früchte werden stufenweise Reif. Sie können also von Juli bis hin zum September immerwährend ernten. Leider halten sich die Früchte nicht sehr lange, denn die Haut ist sehr weich und die Frucht äußerst saftreich.




Die brombeerähnliche Frucht von der weißen Maulbeere. Die Beeren werden mit der zunehmenden Reife jedoch Gelb. Manchmal erreichen diese sogar eine purpurne Färbung.

 

Sie können aber zu Saft, Marmelade, Gelee oder Sirup verarbeitet werden.  Sie können diese Früchte aber auch hervorragend zu Beerenwein verarbeiten. Zudem sind erlesene Fruchtbrände möglich.

Wenn Sie die Früchte trocknen, so ähneln sie dem Geschmack von Rosinen, nur ohne Nachgeschmack. Allgemein sind Maulbeeren sehr säurearm und weit bekömmlicher als viele herkömmliche Beerenarten. Für ein Müsli sind diese Beeren mittlerweile sehr beliebt.

Probieren Sie einen Kuchen von diesen Saftbomben. Ihre Gäste werden Augen machen, denn einen solchen Kuchen bekommen Ihre Gäste sonst nirgends.

Im Allgemeinen ist zu sagen, dass Maulbeeren saftig süß und hocharomatisch sind. Oft wird berichtet, dass sie fade und stark unterschiedlich schmecken. Wer allerdings frische Maulbeeren probiert hat, der wird definitiv einer anderen Meinung sein.

Da alle Maulbeerpflanzen sehr schnittverträglich sind lassen diese sich nicht nur auf Wunschhöhe zurückschneiden, sondern auch problemlos zu einer funktionierenden Sichtschutzhecke gestalten. Leider sieht man solche Hecken recht selten, obwohl sie sehr robust und pflegeleicht sind.




Hier sehen wir die getrockneten Maulbeeren. Sie haben ihre weiße Farbe verlohren und haben nun eine braune Färbung angenommen. Diese Beeren sind jetzt haltbar und können für Müslis verwendet werden.


Vor- und Nachteile

Maulbeerbäume sind sehr wärmebedürftige Pflanzen und benötigen daher einen sehr sonnigen und heißen Standort.  Dieser darf auch ruhig trocken und durchlässig sein. Allzu speckige und nährstoffreiche Böden mag Morus hingegen nicht. Staunässe ist unbedingt zu vermeiden, da die fleischigen Wurzeln sonst schnell faulen.

Morus ist Stadtklimafest und verträgt Abgase problemlos. Deshalb sieht man diesen Baum in Südeuropa in allen Straßen. Durch seine immense Schnittverträglichkeit eignet er sich bestens dafür.

Fairerweise muss man sagen, dass die Maulbeere etwas frostempfindlich ist. Es wird zwar allgemein eine Frosthärte von bis zu – 20 °C prognostiziert, jedoch können die Bäume sehr stark zurückfrieren.

Wählen sie nur warme und geschützte Standorte aus. Schützen Sie den Stamm mit einem Stammanstrich oder mit einem Juteband. Zudem sollten ausschließlich Süd- oder Westlagen genutzt werden.

In Weinanbaugebieten gibt es keine Probleme, in rauen Lagen können jedoch starke Frostschäden auftreten.

Wie zuvor schon erwähnt lieben Raupen und Schnecken diesen Baum, da auch die Rinde und die einzelnen Blätter sehr schmackhaft sind. Als Jungpflanze ist dieser Baum besonders gefährdet. Schützen Sie Ihre Jungpflanzen deshalb in den ersten 2 – 3 Standjahren besonders. Danach werden Sie keine Probleme mehr haben.

Sollten die Bäume komplett abgefressen werden, so ist dies kein Problem, denn Morus alba treibt immer wieder aus. Sie ist nicht klein zu kriegen und erholt sich immer wieder. Daher ist sie für die Seidenraupenzucht besonders beliebt.

Ich habe Jungpflanzen gesehen, die von Schnecken am Stamm stark angenagt wurden. Selbst diese Pflanzen haben ihre Wunden einfach überwallt und sich binnen weniger Wochen komplett erholt. Ein tolles Gehölz im Kampf gegen den Klimawandel!

Maulbeerbäume entwickeln einen sehr starken Wuchs. Dieser kann bis zu 70 cm pro Jahr betragen. So werden auch Wunden von Schädlingen oder starken Hageleinschlägen schnell und sicher verschlossen und überwallt. Auch von einem starken Rückschnitt erholt sich dieser Kleinbaum schnell und sicher.

 



Dies ist ein Bild aus der Seidenraupenzucht. Es werden die frischen Blätter geerntet und in ein Labor gebracht. Dort laben sich die Raupen an den schmackhaften Blättern.

Nach wenigen Wochen verpuppen sich die Raupen und der Kokon wird dann für die Seidenproduktion genutzt.

 

Holz

Zu guter Letzt darf auch das überaus wertvolle Holz nicht vergessen werden! Es ist hart, zäh und trotzdem dehnbar. Daher wird es besonders gerne für Sportgeräte und Werkzeugstiele eingesetzt.

Es ist problemlos mit allen Maschinen bearbeitbar und polierfähig. Es nimmt Farben und Lacke sehr gut an. Jedoch Vorsicht beim Trocknen. Denn es schwindet sehr stark. Wenn jedoch sehr langsam getrocknet wird so schwindet es fast gar nicht.

Es wird für den Möbelbau und vor allem auch für Musikinstrumente verwendet. Der feine Klang ist in hohem Maße geschätzt und unvergleichbar. Vor allem die Türkei und die Länder des nahen Ostens arbeiten mit Instrumenten aus diesem Holz.

Ein weiterer Nutzen ist die Verwendung als Wein- oder Schnapsfass. Es gibt einen unglaublich fruchtigen Geschmack und eine Goldene Färbung an die reifenden Weine und Spirituosen ab.

Besonders in der Lagerung von Steinobstbänden hat sich dieses Fass-Holz bewährt.

Wer besonders viel Geld besitzt, der kann das Holz auch für den Schiffsbau oder für Fußböden verwenden. Denn das Holz ist absolut fäuleresistent und dauerhaft. Zudem ist die Maserung ein absolutes Highlight. Sie ist unregelmäßig, die Jahresringe gut erkennbar und das Kernholz von unvergleichlich schöner und rotbrauner Farbe.

Solche Parkettböden sind aber eine Rarität, da die Stämme sehr unregelmäßig wachsen und die Holzausbeute für industrielle Parkettböden sehr schwierig ist.

 


Ein Querschnitt durch den Stamm eines Maulbeerbaums. Deutlich sieht man den Unterschied vom rotbraunen Kern- zum hellen Splintholz.

Diese Farbunterschiede und die ungleichmäßige Maserung sind sehr begehrt.

Urheber:
Von Roger Culos - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=22930583

 

Zukunft/Resümee

Morus ist eine unglaublich pflegeleichte und robuste Baumart. Sie überwindet lange Trockenheit und kurzzeitige Überschwemmungen.

Zudem kuriert sie sich bei schweren Schäden durch Schädlinge oder Unwetter selbst. Sie kann auch auf den kargsten Böden verwendet werden.

Sie ist ideal für den Kampf gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Sowohl als Obstbaum, als auch als Straßenbaum. Zudem kann auch ihr Holz geerntet werden.

Absolut unverzichtbar und lohnenswert in allen Belangen, wenn man die Frostempfindlichkeit berücksichtigt. Aber diese kann durch einen einigermaßen geschützten Standort und den oben genannten Schutzmaßnahmen umgangen werden.

 


Sollten Sie Interesse an dieser Pflanze haben, so können Sie diese gerne unter dem nachfolgenden Link bestellen: