Roterle (Alnus rubra) als Waldspezialist


Herkunft:

Die Roterle kommt aus dem pazifischen Nordwesten der USA, Kanada und Alaskas. Sie besiedeln große Flächen entlang der Pazifikküste. Sie wächst dort als typische Pionierbaumart und bildet auch riesige Reinbestände.

Mit der Zeit lichtet sich dieser Reinbestand und mischt sich mit Hemlocktannen, Douglasien und Ahornbäumen. Zudem auch mit Riesenthujen, Tannen und Mammmutbäumen.

Diese wunderschönen Mischwälder sind ganz typisch für die Bundesstaaten entlang der Pazifikküste.


Wuchs:

Alnus rubra ist ein Waldspezialist mit raschem Wuchs. So entstehen in Windes Eile große und gut gewachsene Bestände. Sie erreicht einen jährlichen Zuwachs zwischen 30 und 50 cm.

Die Stämme sind gerade und gleichmäßig ausgebildet. Die Seitenäste hängen dabei auffallend waagerecht und ausladend am Stamm. Die Krone ist kegelförmig und offen. Somit bildet sich auch nur ein lichter Schatten.

Erlen haben alle gemeinsam, dass Sie gerne auch strauchartig wachsen. Wer also gerade und schöne Stämme erzielen will, der sollte immer darauf achten, dass Doppelspitzen und Konkurrenztriebe aus dem Stamm entfernt werden. Danach aber entwickeln sich wunderschöne und gleichmäßige Bäume heran.

Die Wuchshöhe liegt bei ca. 25 Meter, im engen Bestand sogar noch etwas höher. Die Wuchsbreite pendelt sich bei ca. 5 Metern ein. Je enger gepflanzt wird, desto schneller und schlanker entwickeln sich die Bäume.


Biologie:

Das Blatt der Roterle ist das größte aller Erlenarten. Es wird bis zu 15 cm lang und bis zu 12 cm breit. Auffallend ist, dass der Blattrand leicht gewellt ist. Dieses wunderschöne und riesige Blatt ist sehr weich und dunkelgrün. Ab Herbst erscheint dann eine goldene Herbstfärbung. Das Laub bildet eine wichtige Nahrung für Zahlreiche Raupen und daher auch für viele Singvogelarten.

Die hellgraue Rinde ist glatt und sehr fein anzufassen. Diese glatte Rinde ist mit zahlreichen Rindenwarzen durchzogen. An den Triebspitzen und an den Knospen ist die Rinde hingegen leuchtendrot. Auch das ist ein sicheres Bestimmungsmerkmal für Alnus rubra.

Im Zeitigen Frühjahr erscheinen leuchtend rote Blütenzapfen. Dabei handelt es sich um die männlichen Blüten. Diese Blütenzapfen sind weich und mehrere cm lang. Bei voller Blüte leuchtet die Krone in einem herrlichen Rot. Im Hochsommer bilden sich dann die weiblichen und samentragenden Blütenzapfen. Diese beinhalten eine große Anzahl an geflügelten Samen, welche massenweise zu Boden fallen und wieder eine reichhaltige Nahrung für zahlreiche Vogelarten darstellt.

Die Wurzel dieser Erle ist herzförmig. Sie geht also erst in die Breite und dann in die Tiefe. Besonders wichtig zu erwähnen sind die Knöllchenbakterien an den Feinwurzeln. Diese bilden Bakterien, welche den Stickstoff aus der Luft direkt in den Boden binden. Somit bessert dieser Waldspezialist den Boden nachhaltig auf.


Eignung als Forstpflanze und als Waldspezialist

In den USA und Kanada wurde die Roterle lange bekämpft, da Sie gerodete Waldflächen zu schnell wieder besiedelte. Andere Pflanzen hatten hierbei wenig Chancen, da die Roterle in der Jugend so schnell wächst, dass eine mögliche Konkurrenz das Nachsehen hat.

Doch immer mehr wurde der immense Nutzen von Alnus rubra erkannt. Es ist kein Baum, welcher sich unkontrolliert ausbreitet. Bodenproben und eine lange Studie hat eindeutig gezeigt, dass sich der Boden nachhaltig gebessert hat. Selbst Bodenpilze, welche Nadelbäume gefährtlich werden, wurden auf diesen Flächen nicht mehr entdeckt.

Langsam aber sich entwickelte sich ein gesunder und besonders robuster Mischbestand. Ahorn, Fichte, Kiefer, Tanne, Hemlock, Thuja und Scheinzypresse gesellten sich dazu. Der Boden in diesen Beständen wurde von Jahr zu Jahr immer nährstoffreicher und fluffiger, so dass auch auffallend höhere Holzzuwächse festgestellt wurden.

Daher ist dieser Waldspazialist vom angenommenen Schädling, zu einer der wichtigsten forstlich angebauten Gehölze in den USA geworden. Auch bei uns hat man Alnus rubra in verschiedenen Versuchsanbauten integriert. In Mischbeständen entwickelt sich diese prächtig, ohne die heimische Flora zu gefährden oder zu verdrängen.

Was die Roterle wirklich braucht, ist ein vollsonniger Standort. Auf den Boden kommt es dabei nicht an. Sie besiedelt auch trockene und karge Böden, hält aber auch Staunässe und Überschwemmungen aus. Ein Erlenwald kann auch staunasse Böden trocken legen und für andere Baumarten vorbereiten.


Holz:

Das frisch geschlagene Holz der Roterle zeigt sich, wie der deutsche Trivialname bereits aussagt, in einem leuchtenden Rot. Später färbt sich das Holz in ein dunkles Braun im Kern und in ein helles Braun im Splint. Besonders beliebt ist das Holz für Möbel und Bodenbläge im Innenbereich. Für den Aussenbereich ist es nicht geeignet, da es hierfür zu schnell fault.

Das weiche Holz lässt sich sehr gut bearbeiten und reißt dabei nicht. Es lässt sich sehr gut kleben, anstreichen und lackieren.

Das Trockengewicht des Holzes liegt bei 450 kg pro Kubikmeter. Die Volumenschrumpfung liegt bei 12,6 %.

Die Struktur dieses Holzes ist sehr gerade, gleichmäßig und fein. Auch die Poren sind so fein, dass man diese Fast nicht erkennt. Dafür erkennt man die Jahresringe sehr gut, so dass sich ein sehr schönes Muster ergibt.

Das Holz wird für Furniere, als Sperrholz, für den Palettenbau, im Möbelbau, für Bodenbeläge, als Spaltholz und auch für die Hackschnitzelproduktion als Kurzumtriebsplantage oder als Energiewald genutzt.


Zukunft/Resümee

Erlen werden trotz der Erlenphytophthora eine wichtige Stellung erhalten. Erlen bessern den Boden nachhaltig auf und tragen zu einem schnellen Bestandsaufbau bei. Es hat sich herausgestellt, dass Douglasien deutlich weniger mit dem gefährlichen Pilz Phellinus weirii befallen werden, wenn diese im Bestand mit Alnus rubra gemischt werden.

Das Holz ist wunderschön und wer sich um seinen Bestand kümmert, der erhält gleichmäßige und gerade Stämme mit einer ausreichenden Dicke von mindestens 30 cm.

Ich kultiviere diesen Waldspezialist nun seit zwei Jahren. Im ersten Winter sind die Pflanzen stark zurückgefroren. Aus der Basis sind aber alle wieder gut ausgetrieben und zu einer stattlichen Pflanze von 30 - 50 cm herangewachsen. Die Pflanzen sind unter der Folie zu schnell ausgetrieben und den Spätfrost haben diese dann leider nicht unbeschadet überstanden. Wenn diese aber ausgepflanzt sind wird es keine Probleme mehr geben.

Ich kann den Anbau der Roterle nur empfehlen. Sie eignet sich hervorragend um gesunde Mischbestände aufzubauen und die Artenvielfalt im Wald zu erhöhen.